Trauer
Trauer ist eine tiefgreifende, oft unerwünschte Veränderung, die keiner möchte. Sie beeinträchtigt das körperliche und seelische Wohlbefinden, verringert die Lebenskraft und gehört doch zu unseren wichtigsten Emotionen.
Äußerung: Ich bin nicht nur schlecht drauf, ich erkenne mich nicht wieder!
Gemeinsam zu trauern, gemeinsam das Leid miteinander zu teilen ist das eine, gemeinsam wieder miteinander lachen zu können, das andere. Manchmal eine weite Wegstrecke!
Helfen wir einander in diesen Zeiten.
Trauer nach einem Todesfall ist extrem vielseitig und tiefgreifend. Jeder fühlt anders und geht anders mit ihr um. Es werden unterschiedlichste Prozesse ausgelöst.
Psychisch: Betäubung, Konzentrationsprobleme, Schock, Verzweiflung, Wut
Emotional: Angst, Schuldgefühle, Sehnsucht, tiefe Traurigkeit
Körperlich: Enge, Herzrasen, Herzschmerz, Herzstolpern, Müdigkeit, Schlafstörungen, Verspannungen
Sozial: Gefühl - die anderen verstehen mich nicht, Rückzug
Trauer ist so individuell und daher sehr persönlich, was gut ist und gelebt werden darf. Es gibt kein "Richtig & Falsch", ihre Intensität ist eben sehr unterschiedlich. Wichtig ist, dass die Trauer gelebt werden darf, damit der Heilungsprozess im Körper abläuft. Natürliche Prozesse brauchen Zeit und keine Vorgaben, wann es vorbei sein soll!
Ich finde es wichtig, dass jeder Mensch - ob klein oder groß - die Unterstützung von Ärzten, Freunden, Gemeinschaften erfährt und annimmt, damit Heilung entstehen kann. Wahre Heilung bedeutet nicht, zu vergessen, sondern den Schmerz zu verwandeln und mit gepflegten Erinnerungen mutig ein neues Kapitel aufzuschlagen. Neue Lebensinhalte finden bzw. gemeinsam finden, das stärkt und schafft Verbundenheit.
Tod - Trauer - Kinder
Es passiert so oft ...
Etwas Trauriges ist geschehen und die Erwachsenen finden nicht die angemessenen Worte, um es den Kindern zu erklären.
Kinder spüren sofort, wenn Emotion und Sprache nicht stimmig sind. Das verunsichert sie!
Meist werden sie von sorgenden Gedanken und Schuldgefühlen überfallen, weil sie nach einer Erklärung für die Diskrepanz suchen.
Die Erwachsenen reden oft nicht offen und ehrlich. Aber Kinder brauchen Ehrlichkeit, sie brauchen Erwachsene, die ihre Gefühle, so wie sie sind, zeigen und benennen und in wenigen klaren Worten darüber berichten, was geschehen ist. Natürlich dem Alter entsprechend.
Der Anblick einer weinenden Mutter ist schwer für ein Kind zu fassen, ohne klare Begründung. Das Kind schlüpft dann oftmals in die Rolle des Trösters, des Beschützers. Wichtig ist zu erkennen, wie sich das Kind verhält, denn diese Rollen würden es überfordern.
Manchmal halten die Kinder aber auch einfach den Mund und ziehen sich zurück. Diese Abhängigkeit von der emotionalen Offenheit des Erwachsenen macht Kinder verletzlich.
Erfahren Kinder nicht den Grund, können sie angstbesetzte Fantasien entwickeln, die ihnen daraufhin das Leben schwer machen.
Gut ist es, den Kindern direkte und ungeschönte Antworten zu geben.
Kinder - 6-10 Jahre, 10-14 Jahre
Kleine Kinder (ca. 6-10 Jahre) haben meist mit dem Tod keine Berührungsängste. Sie gehen auch an den offenen Sarg. Aber allmählich festigt sich die Einsicht in die Endgültigkeit des Todes.
Die Welt der jungen Kleinen ist oftmals noch geprägt von Gut und Böse. Sie suchen nach logischen Begründungszusammenhängen und denken oft, der Tote hat etwas Böses getan und ist deshalb gestorben. Es ist wichtig, den Kindern die Todesursache zu nennen, sonst könnten beim Tod eines Angehörigen auch irrationale Schuldgefühle auftauchen.
Meist die erste Verlusterfahrung: Das Haustier stirbt.
Kinder haben eine sehr tiefe Beziehung zu ihrem Haustier und so trifft der Tod des Tieres sie mit großer Wucht. Der erste Trauerprozess folgt und dieses besondere Ereignis gräbt sich tief ins Gedächtnis ein, wird ein Leben lang nicht vergessen. Der Grundstein für alle weiteren Verlusterfahrungen ist hierdurch gelegt. Kinder trauern ungeteilt und aus ganzem Herzen.
Kinder zwischen 10-14 Jahren stellen vermehrt Fragen nach dem Sinn des Lebens. Hinterfragen bereits, ob es nach dem Tod ein weiteres Leben gibt. Sie suchen unerbittlich nach Antworten. Sie erleben intensive Trauerprozesse, da sie nun um die Endgültigkeit des Todes wissen. Sie suchen nach ganz eigenen Wegen, ihre Trauer bei Verlusterfahrungen auszudrücken. Sie nutzen hierzu vielfältige Trauer-Rituale. Sie wechseln plötzlich das Thema oder laufen raus und tanzen, weil für das Kind ein emotional sehr dichtes Geschehen angesprochen ist. Grund für sein Handeln: Mehr zu dem Thema würde es zu sehr belasten. Der Erwachsene ist hier gefordert, ruhig und verständnisvoll auf das Kind einzugehen. Für das Kind bleibt die Erfahrung: Der Erwachsene versteht mich.
Was tut Kindern eigentlich so weh?
Es ist das Abschiednehmen, das erfolgen muss. Es gibt kein Zurück. Das Kind hat die Kontrolle über das Geschehen (Spielzeug weg, Wohnortwechsel, Freunde weg, zu Tieren kein Zugang mehr, Tod …) verloren.
Das Kind verbraucht sehr viel Kraft in diesen Zeiten, um den Trennungsschmerz auszuhalten, es ist oft instabil und angewiesen auf viel Nähe, Zuwendung, Ermutigung und Verständnis.
Im Zentrum der Verlust-Erfahrung, z. B. durch den Tod, steht das Gefühl der Ohnmacht. Das Gefühl darf nicht übermächtig werden, sonst verliert das Kind an Lebensmut.
Die Erwachsenen tun gut daran, Kindern in Trauerzeiten (egal wie alt sie sind) Gelegenheiten zu kreativem Tun zu geben. Denn dort liegen Anfang und Ende in ihrer Hand. Sie fühlen die Kontrolle und erleben sich dann als mächtig und groß. Jedes kreative Tun zeigt dem Kind: Ich kann etwas bewirken. Ich fühle die Kraft in mir.
Abschied nehmen:
Abschiednehmen von alten Menschen ist eine Erfahrung, die den Umgang mit Vergänglichkeit lehrt und die Nähe von Leben und Tod verdeutlicht. Die nachfolgende Generation lernt den Umgang mit Krankheit, Sterben und Tod. In dem Moment erlebt man, dass Leben und Tod einander so nah sind.
Stärken wir die Kinder und die Trauernden:
Da der Tod allen menschlichen Einfluss schachmatt setzt, konfrontiert er alle, die ihm begegnen, mit Ohnmacht. Diese Erfahrung steht in krassem Gegensatz zu dem, was Kinder als Voraussetzung für ihre Entwicklung brauchen:
- Vertrauen ins eigene & fremde Tun
- Perspektiven in die Zukunft hinein
- Bestätigung ihrer Fähigkeiten
- Dauer & Kontinuität
- Halt & Stabilität
- Freiheit & Wahlmöglichkeiten
Alles hat & braucht seine Zeit.
Preise: je Trauergruppe 2-6 Personen
1x im Monat/oder nach Absprache
Dauer ca. 90-120 Minuten
Erwachsene p. P. 10 €
Kinder p. P. 10 €